2026

Gefährden die vielen neuen Windkraftanlagen rund um Borgentreich die Gesundheit der Bürger?
Eine wissenschaftliche Studie der Universität Mainz, vorgestellt beim 132. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin im April 2026, hat erstmals eine »deutlich erhöhte Inzidenz von Herzinsuffizienz und Rhythmusstörungen in Kommunen mit erheblichem Ausbau der Windenergie« nachgewiesen. Dazu haben die Mediziner 75.000 Patientendaten der KVWL aus dem Kreis Paderborn ausgewertet. Sie beziehen sich zum einen auf Lichtenau und Borchen, zwei Kommunen mit hoher Windkraftdichte, zum anderen auf Hövelhof und Delbrück, wo nur wenige Windkraftanlagen stehen. Fazit der Studie: In windkraftreichen Kommunen des Kreises Paderborn liegt die Inzidenzrate für Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen um bis zu 68 % über dem Durchschnitt unbelasteter Regionen.
Windkraftbefürworter zweifeln allerdings die Studie an. Der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) Nordrhein-Westfalen erklärt in einer Stellungnahme, die überdeutliche Mehrheit der Untersuchungen beweise im Gegensatz zu der Mainzer Studie, „dass es keinen empirischen Beweis dafür gibt, dass Menschen, die in der Nähe von Windkraftanlagen leben, ein erhöhtes Risiko für beispielsweise Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz haben.“
Volker Tschischke, Vorstand der offiziell anerkannten Verbraucherschutzorganisation "Vernunftkraft NRW", kommentiert indes: "Dass ausgerechnet im Kreis Paderborn – dem Hotspot des Ausbaus in NRW – diese massiven Gesundheitsschäden nachgewiesen wurden, ist ein gesundheitspolitischer Skandal". Er hat eine »Formelle Gefahrenanzeige und Antrag auf behördliches Einschreiten bzgl. des Schutzes vor schädlichen gesundheitlichen Einflüssen durch den Betrieb von Windkraftanlagen (WKA) im Bereich Borchen und Lichtenau« an den Kreis Paderborn geschickt sowie einen "Formalen Antrag auf amtsärztliche Gefahrenbewertung und Wahrnehmung der gesundheitlichen Schutzpflichten gemäß ÖDGD NRW / Referenz: Epidemiologische Untersuchung der Universitätsmedizin Mainz (Poster P‑15–07, DGIM 2026)" beim Gesundheitsamt eingereicht. Jetzt müssen die Behörden tätig werden.
Und was bedeutet das für Borgentreich und andere Windpark-Kommunen im Kreis Höxter? Es bleibt abzuwarten, ob es behördliche Reaktionen auf die Mainzer Studie gibt.
Der Journalist Michael Kaiser hat sich in seinem Internet-Blog „Der Pivit“ intensiv mit der Studie beschäftigt:
"Vernunftkraft NRW", Verein für Verbraucher- und Umweltschutz auf dem Energiesektor:
Auch das Westfalen-Blatt hat sich mit der Mainzer Studie auseinandergesetzt. Hier geht es zum Bericht:

Neue Anlagen sind mehr als sechsmal so hoch wie der Borgentreicher Kirchturm
Von Hubertus Hartmann

Borgentreich. Kaum ein Thema wird in Borgentreich derart kontrovers diskutiert wie der Windkraftausbau. Der freie Blick vom Galgenberg oder Hohen Berg zum Desenberg ist Geschichte. Nahezu im gesamten Stadtgebiet entstehen derzeit neue Anlagen.
Allein auf dem Gebiet der Kernstadt befinden sich aktuell 14 im Bau, überwiegend rund um die Dinkelburg. Zwölf weitere sind genehmigt, für sechs zusätzliche läuft das Genehmigungsverfahren.
Im Herbst 2025 haben die Erdbewegungen begonnen, kilometerlange Schotterpisten für Baumaschinen und Sattelschlepper ziehen sich durch die Landschaft, martialische Fundamente für die neuen Energietürme sprießen aus dem Bördeboden. Auf ihnen werden die bis zu 175 Meter hohen Stahltürme verankert. Mit ihren Rotorblättern erreichen die Anlagen eine Gesamthöhe von 260 Metern und sind damit mehr als sechsmal so hoch wie der 42-Meter-Turm der St. Johannes Baptist-Kirche.
Die Anlagen habe eine Leistung von 6 bis 7,2 Megawatt. Jeder dieser Energieerzeugungsgiganten kann theoretisch rund 4.000 Haushalte mit Strom versorgen. Ein einziges Windrad dieser Größe könnte also die komplette Orgelstadt mit Energie beliefern.
Hauptakteur des WKA-Ausbaus ist die Bürgerwind Borgentreich GmbH. Die Gesellschaft plant nach eigenen Angaben (Stand April 2024) auf dem Gebiet der Orgelstadt 21 Windräder.
In irgendeiner Weise vom Windvirus infiziert und in den WKA-Ausbau involviert sind offenbar aber viele. Auch heimische Kommunalpolitiker. Als Ende 2021 der Rat über die Ausweisung von Windrad-Konzentrationszonen abstimmt, muss sich mehr als die Hälfte der anwesenden Volksvertreter für befangen erklären. Nur elf dürfen an der Abstimmung teilnehmen. Sie kippen den mit erheblichem Steuergeld und auf der Basis teurer Gutachten zuvor aufgestellten Flächennutzungsplan. Die Folge: Nahezu überall in Borgentreich dürfen jetzt Windkraftanlagen errichtet werden.
Dass aufgrund der hohen Ausbaudynamik die Strompreise für die Borgentreicher Bürger zukünftig günstiger werden, scheint hingegen unwahrscheinlich. Denn die Kosten für den erforderlichen Netzausbau werden auf die Verbraucher umgelegt. Trotz der Netzentgelt-Reform 2025/26 liegen die „Kabelkosten“ in NRW über dem Bundesdurchschnitt.
Profiteure

Pachtpreise von 50.000 Euro und mehr pro Jahr und Windrad werden – abhängig von Standort und Leistung – angeblich in Borgentreich gezahlt. Im benachbarten Willebadessen sind es seriösen Quellen zufolge beim sogenannten Drei-Flächen-Modell sogar 150.000 Euro. Die Pacht für Windkraft ist rund 30-mal höher als für gutes Ackerland. Die Pachtverträge laufen in der Regel über 25 bis 30 Jahre.
Profitieren werden von den Windkrafterlösen auch die Stadt Borgentreich sowie die Vereine über eine neue Stiftung. Um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen, will die Bürgerwindpark Borgentreich GmbH und Co. KG als größter Windparkbetreiber in Borgentreich jährlich ein Prozent des Umsatzes – rund 200.000 Euro – für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung zu stellen.
Das Geodatenportal des Kreises Höxter weist für die Orgelstadt Anfang 2026 diese Zahlen aus:
19 Windkraftanlagen in Betrieb
14 befinden sich im Bau
22 sind genehmigt
19 befinden sich im Genehmigungsverfahren
Beim Blick auf die Karte der im gesamten Kreis Höxter geplanten Windkraftanlagen (WKA) werden die Augen noch größer, denn dort sieht man – in Anlehnung an eine bekannte Redewendung – vor lauter Propellertürmen die Landschaft nicht mehr.
129 neue Windräder wurden in der Region zwischen Weser, Emmer, Diemel und Egge im Jahr 2025 genehmigt. Im April 2026 sind kreisweit 179 WKA in Betrieb, 210 weitere genehmigt und zudem 232 beantragt. Das ist einsamer Landesrekord und zeugt von Goldgräberstimmung. Schon bald könnten sich im selbsternannten Kulturland mehr als 600 Windräder drehen, so die Befürchtung von Landrat Michael Stickeln.
Erlöse sinken
Ob allerdings tatsächlich alle genehmigten Projekte umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Sinkende Einspeisevergütungen schmelzen die Erlöse, die oft 20 Kilometer langen Kabeltrassen bis zum nächsten Netzverknüpfungspunkt sind zusätzliche Kostentreiber, die Banken werden bei der Finanzierung vorsichtiger, und die Bundesregierung plant weitere Maßnahmen zur Kostenreduzierung bei den erneuerbaren Energien. Um den Zuschlag für neue Anlagen zu bekommen, mussten sich potenzielle Windstromerzeuger im Mai 2026 mit einem deutlich reduzierten garantierten Einspeisepreis von 5,06 Cent pro Kilowattstunde bescheiden.
Allerdings liegt Borgentreich in einer sogenannten Schwachwindzone. Weil hier der Wind nicht so stark bläst wie an der Nordsee, erhalten die WKA-Betreiber in der Börde einen Zuschlag von durchschnittlich zwei Cent pro Kilowattstunde.
Hintergrund zum regionalen Stau:
Obwohl der Kreis Höxter eine sehr hohe Genehmigungsquote hat (Stand Juni 2026 liegen 281 genehmigte Windkraft-Vorhaben vor), scheitern mittlerweile viele Projektierer in den
Auktionen. Grund dafür ist die starke Überzeichnung der Bundesauktionen, wodurch die durchschnittliche Förderquote bundesweit drastisch auf 5,06 ct/kWh im Mai 2026 gesunken ist. Lokale Projekte, die
höhere finanzielle Förderungen fordern, gehen leer aus. In der Februar-Auktion hat kein Borgentreicher Projekt einen Zuschlag erhalten.
Tiefflug

Und dann ist da noch das Thema Tiefflug. Aufgrund der veränderten sicherheitspolitischen Lage, hat die Bundeswehr im November 2025 alte Tiefflugzonen über Deutschland reaktiviert, um Kampfjetpiloten ein realistisches Training zu ermöglichen. Dazu zählt auch die Low Flying Area (LFA) zwischen Siegen, Hildesheim, Paderborn und Kassel. Mitten in der LFA3 liegt der Kreis Höxter mit demnächst – nach derzeitigen Planungen – mehr als 600 Windrädern.
In ausgewiesenen militärischen Tieffluggebieten über Deutschland dürfen Kampfjets der Bundeswehr für taktische Manöver bis auf 250 Fuß (ca. 75 Meter) über Grund absinken.
Über Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern, Kernkraftwerken und bestimmten Industrieanlagen gelten Mindestflughöhen von mindestens 2.000 Fuß bzw. ca. 610 Meter.
Und was ist mit den 260 Meter hohen Windkraftanlagen? Einige Antragsteller sollten sich vielleicht schon mal auf ein Veto der Luftwaffe einstellen.
Zwei Wind-Investoren aus Borgholz haben mit der Bundeswehr bereits in den 1990er Jahren eine spezielle Erfahrung gemacht. 1995 errichten sie bei Natingen für 3,8 Millionen D-Mark die beiden ersten Windkraftanlagen im Kreis Höxter. Vier Jahre später müssen sie die Anlagen mit einem Kostenaufwand von rund 700.000 D-Mark wieder abreißen, weil die damals "nur" 60 Meter hohen Masten das Luftwaffenradar im 1,7 Kilometer entfernten Auenhausen stören. Die Betreibergesellschaft geht pleite.

Meine Meinung
Kernkraft hat sich als kaum kalkulierbares Risiko erwiesen. Die Mehrzahl der Deutschen will deshalb die Energiewende. Photovoltaik- und Windkraftanlagen gelten nach derzeitigem Stand der Technik als die effizientesten Methoden zur Stromerzeugung. Gemessen an der Einwohnerzahl belegt der Kreis Höxter mit dem Solarchampion Borgentreich bundesweit eine Spitzenposition. Er ist einer der Vorreiter der Energiewende. Schon 2023 wurde im Kreis Höxter mit 108,9 Prozent aus erneuerbaren Energien rechnerisch mehr Strom erzeugt, als alle heimischen Haushalte und Firmen zusammen verbrauchen.
Und jetzt geht es erst richtig los.
Der Windkraftausbau erreicht eine nie zuvor gekannte Dynamik. In nahezu allen Städten des Kreises schießen die gewaltigen Rotortürme aus dem Boden. Profiteure sind die Investoren, Betreiber und Grundeigentümer. Die Zahl der wirklichen Windkraftgegner hält sich (noch) in Grenzen. Allerdings schütteln viele Bürger angesichts der Vielzahl an Windgiganten inzwischen fassungslos den Kopf. Denn zur Verschönerung der intakten Naturlandschaft im Kulturkreis tragen die Windkraftanlagen ganz sicher nicht bei. Der ohnehin strukturschwache ländliche Raum sichert die Energieversorgung der Ballungsgebiete und zahlt dafür mit einer Verschandelung seiner Landschaft und aufgrund der hohen Netzausbaukosten teilweise sogar höheren Strompreisen.
Auch die Tatsache, dass bei Sonnenschein gefühlt 90 Prozent aller Windräder still stehen, weil Photovoltaik-Strom im Überschuss produziert wird, trägt sicherlich nicht zu Akzeptanz der einseitigen Energiewende bei.
Abgaben der Betreiber an die Kommunen und Spenden in Stiftungen wirken da eher wie ein Alibi-Feigenblatt. Deutlich vergünstigte Strompreise für die Bewohner der Windvorranggebiete würden die Akzeptanz vielleicht erhöhen, können aber die zerstörte Landschaft nicht reparieren. Noch punktet unsere Region mit einigermaßen intakter Natur und Lebensqualität. Die wird massiv beeinträchtigt, wenn stählerne Windräder die Höhenzüge zwischen Egge und Weserbergland „zieren“, der Blick auf den Desenberg, das Wahrzeichen der Warburger Börde, durch Windräder verschattet ist und wertvolles Ackerland für die gewaltigen Fundamente der Windräder geopfert wird.
Möglicherweise konterkariert der Windkraftausbau sogar das Rückkehr-Aktionsprogramm des Kreises Höxter für Weggezogene. Welche junge Familie findet die Erfüllung ihres Lebenstraums schon in einer windmühlenverspargelten Region mit ohnehin bescheidener Infrastruktur? Von wahrscheinlich sinkenden Immobilienwerten ganz zu schweigen.
Wohlgemerkt: Ich bin nicht gegen Windkraft! Ich möchte aber Windkraftausbau mit Augenmaß und eine gerechtere Verteilung auf ganz Deutschland.
Hubertus Hartmann

März 2025
Borgentreichs langjähriger Seelsorger geht mit 70 in den Ruhestand
Von Hubertus Hartmann
Borgentreich. Hätte ihn jemals jemand mit „Hochwürden“ angesprochen – Werner Lütkefend hätte wahrscheinlich amüsiert und schmunzelnd den Kopf geschüttelt. Denn der Seelsorger, der im März 2025 die katholische Kirchengemeinde St. Johannes Baptist verlässt und mit 70 Jahren in den Ruhestand geht, ist alles andere als ein vergeistigter Theologe und weltfremder Gottesmann. Werner Lütkefend ist ein echter Volkspfarrer, der an seinem Wirkungsort ein neues Priesterbild geprägt hat und Spuren hinterlässt. Offen, kommunikativ, zugewandt und bodenständig, sind seine herausstechenden Charaktereigenschaften.

Aufgewachsen im knapp 40 Kilometer entfernten Großenbreden, im Schatten der Abtei Marienmünster, kommt Lütkefend am 3. Oktober 1999 als Nachfolger von Dr. Achim Funder nach Borgentreich. Keineswegs seine Wunschpfarrei. „Ich kannte das alles und wollte etwas anderes“, bekennt er freimütig, um dann zu betonen: „Aber mir konnte nichts Besseres passieren. In all den Jahren habe ich viele Menschen kennengelernt, hatte immer engagierte Mitbrüder, Gemeindereferentinnen, Sekretärinnen, neben- und ehrenamtliche Mitarbeiter. Ich habe nie an eine Tür geklopft und mir wurde nicht geöffnet. Ich bin immer unterstützt worden.“
Diese Unterstützung kommt nicht von ungefähr. Denn Werner Lütkefend wird in der Orgelstadt schnell heimisch, engagiert sich in Vereinen und vermittelt den Menschen sofort das Gefühl, dass er einer von ihnen ist. Mit vielen Borgentreichern ist er nach 25 Jahren per Du – der Werner und eben nicht „Herr Pfarrer“ oder gar „Hochwürden“. Gerne wird er zum Taufkaffee oder zur Hochzeitsfeier eingeladen. „Hingehen, wenn man willkommen ist“, lautet seine Devise. 2024 darf er einem jungen Brautpaar den kirchlichen Segen geben, und in der ersten Reihe sitzen die Brauteltern, die Lütkefend auch schon getraut hat.
Im Karneval sieht man ihn als Hippie oder Carl Lagerfeld, beim zehnten Heavy-Metal-Festival in Manrode hält der Priester die Festrede. Riesige Freude bereiten ihm die Auftritte als Nikolaus im Kindergarten. In seinem letzten Nikolaus-Amtsjahr sind es gleich sieben.
Das Schützenwesen hat es ihm besonders angetan. Die mit Orden und Ehrenzeichen reich bestückte grüne Jacke hängt stets am Kleiderschrank. Als erster Borgentreicher Pfarrer ist Lütkefend mittendrin und mitmarschiert in Uniform beim Festzug mit. „Wenn ich die Schützenuniform trage, gehöre ich dazu und komme schnell mit jedem ins Gespräch“, sagt er. Er fungiert als Präses mehrerer Bruderschaften und wird zum Abschied mehrfach zum Ehrenpräses ernannt. „Jede einzelne Ernennung zum Ehrenpräses bedeutet mir viel, denn sie zeigt die Wertschätzung und ist Legitimation, die Uniform zu tragen“, gibt er unumwunden zu. Auch in seiner neuen Heimat im sauerländischen Neheim-Hüsten will er sich aktiv im Schützenwesen einbringen. „Das Schützenwesen verbindet und schafft Netzwerke, im Bund der historischen Schützen europaweit“, betont Lütkefend.
Sowohl gute als auch weniger gute Erinnerungen verbindet der Mann im Priestergewand mit Wüstentieren. Zum 55. Geburtstag erfüllt ihm der Pfarrgemeinderat Manrode einen besonderen Wunsch – einen Kamelritt. Auf dem Rücken des Höckertieres zieht Lütkefend durch das Höhendorf. Eine weitere Kamelgeschichte endete für ihn allerdings weniger glücklich. „In Körbecke gab es eine Lebendige Krippe, ich war einer der Heiligen Drei Könige. Beim Aufstieg auf das Kamel stürzte ich kopfüber und brach mir die Schulter“, erzählt Lütkefend mit einem Schmunzeln.
Offene Worte
Traurig stimmt den spätberufenen Gottesmann die Entwicklung der Katholischen Kirche. Als Pastor Werner Lütkefend vor gut 25 Jahren in Borgentreich seinen Dienst antritt, kann er nicht ahnen, welche Veränderungen im nächsten Vierteljahrhundert auf die Gemeinden zukommen sollten. „Damals hatte ich noch den Eindruck von Volkskirche. Seitdem hat sich die Situation dramatisch verändert, die Bindung an die katholische Kirche ist deutlich schwächer geworden.“ Zählten die Pfarrgemeinden der heutigen Stadt Borgentreich zur Jahrtausendwende noch knapp 8.300 Gläubige, sind es – vor allem aufgrund der demographischen Entwicklung – Ende 2023 nur 5.834. Die Sonntagsmesse besuchen gerade noch 12,6 Prozent. Für Lütkefend liegen die Ursachen auf der Hand, und er scheut sich nicht, unbequeme Wahrheiten offen auszusprechen: „Beschleunigt wurde diese Entwicklung durch die Covid-19-Pandemie, aber auch durch die Vertuschung der Missbrauchsfälle und die Finanzskandale in der römischen Kirche. Selbst bei uns auf dem Land leben wir mittlerweile in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft.“ Ihre Stellung als moralische Instanz hat die Kirche längst eingebüßt.
Werner Lütkefends Zeit in Borgentreich ist eine Zeit der Veränderung und des Wandels. Er startet 1999 als Pfarradministrator der Pfarrei St. Johannes Baptist, wird eine Woche später Verwalter der Pfarrei St. Michael Lütgeneder und der Pfarrvikarie St. Johannes Nepomuk Manrode, im Februar 2001 zum Pfarrer ernannt, im Juli 2001 zusätzlich Pfarrverwalter von Körbecke und Rösebeck, und Anfang 2006 entsteht unter seiner Leitung der Pastoralverbund Borgentreicher Land. Im Juli übernimmt Lütkefend zudem die Verantwortung für die Pfarrei Bühne und wird am 1. Februar 2014 auch noch Verwalter der Kirchengemeinden Borgholz, Natingen sowie Natzungen und somit aller Gemeinden des Pastoralverbundes. Mitte 2022 wird aus dem Verbund der Pastorale Raum Börde-Egge mit 20 Kirchengemeinden, zwei Filialen und einem Verwaltungszentrum in Peckelsheim, auf dessen seelsorgerische Leitung Lütkefend freiwillig verzichtet: „Ich wollte nicht nur Verwalter, sondern Seelsorger sein. Was bei dieser Größe des Pastoralen Raumes kaum möglich ist“, lautet seine Begründung.
Wenn Werner Lütkefend seine zweite Heimat Borgentreich verlässt, kann er das mit einem guten Gefühl tun. Die dazu passenden Worte hat schon vor zehn Jahren bei Lütkefends silbernen Priesterjubiläum dessen langjähriger Freund und Mitbruder Raphael Schliebs gefunden: „Bleib’ wie du bist, ob als Seelsorger in der Kirche, an der Pommesbude, in der Schützenhalle oder als Ritter des Heiligen Sebastian – vor allem aber als Werner Lütkefend.“
Anlässlich des Libori-Festes ernennt ihn der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz zum Geistlichen Rat ad honores.
Sein Werdegang vom Offsetdrucker zum Priester
Werner Lütkefend macht nach der Mittleren Reife an der Realschule Höxter zunächst eine Ausbildung zum Offsetdrucker, absolviert seine Wehrdienstzeit bei der Marine, arbeitet anschließend im sozialen Bereich und bildet sich berufsbegleitend zum Erzieher weiter. Als Spätberufener studiert er von 1983 bis 1986 im Studienhaus St. Lambert, Burg Lantershofen bei Bad Neuenahr-Ahrweiler als Priesteramtskandidat der Erzdiözese Paderborn Theologie und Philosophie. Nach einjährigen Praktika in Eslohe und Bielefeld wird er 1987 ins Priesterseminar Paderborn aufgenommen. Weiteren Stationen auf seinem Lebensweg: 1988 Weihe zum Diakon, danach Praktikum in der Pfarrei Heilig Geist in Hüsten, 13. Mai 1989 Priesterweihe in Paderborn, anschließend Vikar in St. Blasius Balve, 1993 bis 1999 Pfarradministrator in St. Pankratius Reiste und der Pfarrvikarie St. Antonius Einsiedler Bremke, 3. Oktober 1999 Dienstantritt in Borgentreich.
November 2024
Er hinterlässt seiner Heimatstadt Borgentreich 565.000 Euro
Von Hubertus Hartmann
Borgentreich. Zu Lebzeiten ein Faktotum, stets hilfsbereit, fleißig, bescheiden, zufrieden, kontaktfreudig, bisweilen etwas nervig oder „eigen“, von manchen belächelt, von den meisten respektiert und geachtet – das war Heinz Schubert. Nach seinem Tod ein Wohltäter und großherziger Vereinsförderer, der „seiner“ Stadt ein Vermögen hinterlässt – auch das war Heinz Schubert. Und auf einmal erscheint er in einem ganz anderen Licht.

Dieser ärmlich wirkende und einfach strukturierte Mensch hat äußerst weitsichtig bereits 2005 notariell verfügt, dass sein Vermögen nach seinem Ableben in eine Stiftung übergeht. Heinz Schubert starb Ende 2023 im Alter von 93 Jahren. Seine Betreuer Wolfgang Otto, Jürgen Ernst und Werner Wiedemeyer haben seinen letzten Willen in die Tat umgesetzt und elf Monate später der Öffentlichkeit die „Heinz Schubert Stiftung“ vorgestellt. Sie verfügt über ein Grundkapital von 565.000 Euro, das nicht angetastet wird. Die jährlichen Erlöse daraus, so wollte es der Stifter, sollen gemeinnützigen Vereinen und Vereinigungen, insbesondere dem Musikverein und dem VfR, der Jugend- und Altenhilfe, Menschen mit Beeinträchtigung, dem Wohlfahrtswesen sowie Kunst und Kultur in der Kernstadt Borgentreich zugutekommen.
Die Auswahl der Begünstigten ist nicht zufällig, die örtlichen Vereine waren seine Familie. Heinz Schubert liebte die Musik und den Fußball.
Obwohl er selbst nie ein Instrument gespielt hat, war Heinz seit 1977 bei nahezu jeder Probe des Musikvereins dabei, machte sich nützlich und begleitete in Uniform die Musiker bei den Festzügen. 2004 ernannte ihn der Musikverein als erstes passives Mitglied zum Ehrenmitglied. „Das ist mein Verein“, sagte Heinz Schubert einmal, „meine Nummer eins“.
Beim Sportverein VfR, dem er 1992 beitrat, gehörte Heinz Schubert zum Inventar, betreute die Spieler der ersten Mannschaft, kümmerte sich um den Sportplatz und fieberte bei sämtlichen Spielen seiner Jungs mit. Einmal sogar derart, dass er im Überschwang der Gefühle aufs Spielfeld rannte, einen Ball vor der Torlinie stoppte und damit ein Gegentor verhinderte. Ohne je offiziell auf dem Platz gestanden zu haben, bekam Schubert vom Schiedsrichter die rote Karte. Gleichwohl verlieh ihm der westfälische Fußball- und Leichtathletik-Verband 2010 die goldene Kreisehrennadel.
74 Jahre, seit 1949, gehörte er der Schützenbruderschaft an und fungierte zeitweilig als Fahnenbegleiter.
Einmal im Jahr gönnte sich Heinz Schubert einen Urlaub in Garmisch-Patenkirchen – stets im selben kleinen Hotel und mit Familienanschluss. Den sonntäglichen Gottesdienstbesuch verpasste er auch im Urlaub nicht.
Aufgrund einer intellektuellen Beeinträchtigung war Schubert in offiziellen Angelegenheiten sein Leben lang auf Unterstützung angewiesen. Wolfgang Otto, Jürgen Ernst und Werner Wiedemeyer, der zuletzt sechs Jahre lang als ehrenamtlicher Betreuer fungierte, kümmerten sich besonders um ihn. Auch von anderen Borgentreichern, Nachbarn, Vereinskollegen und Freunden erfuhr er Hilfe, viele meinten es gut mit ihm. Wie etwa sein langjähriger Wegbegleiter Heinrich Gabriel und dessen Familie aus der Rischstraße.
Bei Wind und Wetter war Schubert auch als Rentner noch mit Fahrrad und Anhänger in der Stadt unterwegs, transportierte Gasflaschen, liefert Blumenerde, fuhr Pflanzen zum Friedhof und sammelte fleißig achtlos weggeworfene Pfandflaschen.
Trinkgelder und Flaschenpfand reichten ihm für sein bescheidenes Leben. Die Rente kam aufs Sparkonto, und das wurde so gut wie nie angetastet. „Ich kannte und kenne keinen anderen Menschen, der derart genügsam war“, erzählt Schuberts Finanzbetreuer Jürgen Ernst.
Phänomenal waren Heinz Schuberts Gedächtnis und seine erstaunlich gepflegte Ausdrucksweise. Er scheute sich nie, auf Menschen zuzugehen, nutzte jede Begegnung für ein paar freundliche Worte oder ein kleines Schwätzchen.
„Ich bin wirklich tief beeindruckt, was für eine besondere Geschichte hinter dieser Stiftung steckt“, sagte Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling, als sie bei der Anerkennungsfeier im Orgelmuseum dem Vorstand die Stiftungsurkunde überreichte. Die Stiftung bezeichnete sie als „Beispiel für eine großartige Ortsgemeinschaft“.
Schuberts Leben
Wer war dieser Mann, der Borgentreich derart großherzig beschenkt? Nur wenige haben ihn wahrscheinlich wirklich gekannt. Apotheker Wolfgang Otto, der Schubert von 1990 bis 2015 ehrenamtlich betreute, hat dessen Leben nachgezeichnet:
Heinz Schubert wird am 26. Oktober 1930 in Wuppertal-Elberfeld geboren, verliert früh seine Eltern und kommt als Vollwaise ohne Verwandte ins Kinderheim. Feldarbeit bestimmt den Alltag, Schulunterricht eher selten. So bleibt Schubert ein Leben lang Analphabet. Als im Mai 1943 englische Bomber Wuppertal-Elberfeld zerstören, werden die Kinder im Land verteilt.
Am 17. Mai 1946 kommt Heinz Schubert, damals 15 Jahre alt, als Landarbeiter nach Borgentreich in die Mühlenstraße zu Heinz Ewers. Bis zu seinem 21. Lebensjahr fungiert Bürgermeister Karl Koch als sein Vormund. Ab dem 1. April 1947 arbeitete Heinz Schubert laut Meldekarte bei mindestens 13 verschiedenen Borgentreicher Landwirten und auf dem Bau. Im Sommer 1967 wechselt er zu Wilhelm und Günther Buthe. Dort arbeitet er 23 Jahre bis zu seiner Rente, kümmert sich zunächst vorrangig um die Landwirtschaft und fährt später mit einem Handkarren Gasflaschen aus. Heinz Schubert ist für die Borgentreicher nur „Buthen Heinz“.
Anfang der 1990er-Jahre bezieht er eine kleine Wohnung in der Marktstraße und beginnt als Frührentner im Alter von 60 Jahren erstmals ein selbstbestimmtes Leben.
Gut 30 Jahre lebt Heinz Schubert in seiner Wohnung. Otto: "In Borgentreich hat Heinz Menschen gefunden, die ihn in ihre Mitte nahmen, er wurde von der Gemeinschaft getragen."
Seine beiden letzten Lebensjahre verbringt der betagte Senior im Altenheim. Das Fahrrad muss er gegen den Rollstuhl tauschen, doch regelmäßig schieben ihn alte Freunde noch durch den Ort, sonntags zur Kirche, zur Mariengrotte, zum Musikhaus oder zum Sportplatz – zu seinen Lieblingsorten.
Heinz Schuberts Lebensleistung verdient – insbesondere vor dem Hintergrund seiner Möglichkeiten – allerhöchsten Respekt. Schubert verstirbt am 20. Dezember 2023.
"Wenn ihr an mich denkt, seid nicht traurig,
erzählt lieber von mir und traut euch zu lachen.
Lasst mir einen Platz zwischen euch,
so wie ich ihn im Leben hatte."
Das steht über Heinz Schuberts Todesanzeige. Mit der auf Ewigkeit angelegten „Heinz Schubert Stiftung“ hat sich eines der letzten Originale der Orgelstadt ein bleibendes Denkmal gesetzt und sich für alle Zeiten einen Platz in der Mitte der Gesellschaft gesichert.
Die "Heinz Schubert Stiftung" ist nicht die einzige Stiftung der Orgelstadt. Seit dem Jahr 1395 gibt es die Stiftung "Armenhospital". Die Gründungsurkunde nennt den Ritter Johannes Schuwen, dessen Söhne Johannes und Berthold und den Priester Heinrich von Schwedekeßen als Stifter eines Hospital für die „Armen und Bresthaften in der Stadt“. Die ehrbaren Stifter wollten damit einerseits armen, schwachen und bedürftigen Bewohnern helfen und sich mit den guten Taten andererseits ihr eigenes Seelenheil im Jenseits sichern. Aus jener Zeit stammt das heutige Stiftungsvermögen in Form von knapp zehn Hektar Weide, Wald und Ackerland. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Sekundarschule ist inzwischen dazugekommen.
Pachteinnahmen und Stromeinspeisung, jährlich knapp 10.000Euro, fließen auf das Stiftungskonto. Die Hälfte der Einnahmen, so schreibt die Satzung es vor, muss für gemeinnützige Zwecke wieder ausgeschüttet werden.
Weil sich um die Armen heute der Staat kümmert, hat sich die Stiftung anderen Zwecken verschrieben und fördert die Senioren- und Jugendarbeit in der Orgelstadt. Mehr als 20 Projekte seien bislang gefördert worden, berichtet Stiftungsvorsitzender Andreas Geihsen.
(Weiterer Bericht über diese Stiftung weiter unten)
Januar 2023

Hohe Wasserverluste in Borgentreich
Marodes Leitungsnetz erfordert erhebliche Investitionen
Borgentreich (hh). Für Borgentreichs Bürgermeister Nicolas Aisch ist „Trinkwasser ein kostbares Gut“ – und zugleich ein großes Problem. Denn: Durch Rohrbrüche versickert ein erheblicher Teil des Trinkwassers im Erdreich der Orgelstadt.
„Die immens hohe Zahl an Hausanschlussbrüchen ist für unseren Bauhof eine ständige Herausforderung“, erklärte Aisch vor Mitgliedern des Borgentreicher Wandervereins. Auf Initiative von Klaus Hoppe führte die erste Männerwanderung des neuen Jahres zum Hochbehälter auf dem Galgenberg.
„600 Kubikmeter bevorraten wir hier in zwei Edelstahlstanks“, erläuterte Wasserwerkstechniker Sebastian Göke. Das Wasserreservoir ist 2019 in Betrieb gegangen und hat rund 1,4 Millionen Euro gekostet.
Laut Göke werden in den nächsten Jahren weitere erhebliche Investitionen in das Wassernetz erforderlich sein. Aktuell bohrt die Stadt in Bühne einen 98 Meter tiefen so genannten Notbrunnen. Er soll zukünftig etwa 20 bis 30 Kubikmeter pro Stunde zusätzlich in das vorhandene System einspeisen.
Seit 1977 bezieht die Orgelstadt ihr Trinkwasser aus Trendelburg. Der Liefervertrag gilt bis 2050. Über eine Pumpstation am Deiselberg gelangt das Wasser aus den Quellen im Diemeltal in den Haupthochbehälter Hoher Berg zwischen Bühne, Manrode und Muddenhagen. Von dort werden zehn weitere Hochbehälter mit einem Gesamtvolumen von 4.370 Kubikmetern gespeist und alle elf Stadtteile versorgt. Über ein Leitungsnetz von insgesamt 58 Kilometern fließt das Wasser zu 3.050 Hausanschlüssen. Vergangenes Jahr erhielt Borgentreich aus der hessischen Nachbarkommune rund 540.000 Kubikmeter. Wovon allerdings etwa 45.000 Kubikmeter versickert sind.
„Durch defekte Hausanschlüsse verlieren wir derzeit pro Stunde circa fünf Kubikmeter“, beklagt Sebastian Göke. Zeitweilig sei sogar bis zu 25 Prozent des Wassers durch Rohrbrüche versickert. Das Problem seien vor allem marode Hausanschlüsse. Göke: „Etwa jeden zweiten Tag müssen wir irgendwo im Stadtgebiet einen undicht gewordenen Hausanschluss erneuern.“ Jeder neue Hausanschluss schlage mit 4.500 Euro zu Buche. Kosten, die auf den Wasserpreis umgelegt werden müssen. Nicht umsonst präsentierte die Stadt ihren Bürgern kurz vor dem Jahreswechsel die Nachricht, dass der Trinkwasserpreis 2023 von 1,90 um 32 Prozent auf 2,51 Euro erhöht wird. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt bedeutet das eine Mehrbelastung von 113 Euro. Vor sechs Jahren lag der Wasserpreis noch unter einem Euro. Kleiner Trost: Grundgebühr und Abwassergebühren bleiben konstant.
„Es ist keineswegs selbstverständlich, dass immer Wasser aus dem Hahn läuft. Und die Versorgungssicherheit kostet nun einmal Geld“, warb Bürgermeister Aisch um Verständnis.
Falls durch einen Blackout eventuell einmal kein Wasser aus Trendelburg über den Berg gepumpt werden kann, reicht nach Aussage von Sebastian Göke dank der Speicherbehälter die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung für 48 Stunden.
April 2021


Bei der Recherche nach einem Motiv des Warburger Malers Josef Kohlschein d.J. ist ein ehemaliger Warburger auf die Borgentreicher Online-Chronik gestoßen. Der heute in Frechen lebende Gottfried Busch wollte von einer Zeichnung Kohlscheins mehr in Erfahrung bringen.
„Zu dem 1958 in Neuss verstorbenen Maler, dessen Vater bekanntlich auch aus Warburg stammte, hatte ich insofern eine Beziehung, weil ich meine berufliche Tätigkeit als Rechtsanwalt überwiegend in Neuss verbracht hatte“, schreibt Busch. In seinem Eigentum befinden sich zwei Zeichnungen, die wiederum einen Bezug zur Orgelstadt haben:
Eine Zeichnung zeigt im Vordergrund den Schützenteich und zentral die St. Johannes-Kirche mit dem Stadtturm am linken Rand. Kohlschein hat sie im Dezember 1912 erstellt.
Die zweite Zeichnung zeigt den Glockenstuhl von St. Johannes mit einer größeren Glocke in der Bildmitte und einer offensichtlich kleineren oben links und weist als Datum den 28. Juli 1917 aus.
„Das finde ich deshalb geschichtlich so interessant, weil nach der Chronik bereits am 12. August 1917 die Marienglocke entfernt werden musste. Ob Kohlschein dies wusste? Ob die gezeichnete Glocke identisch ist mit der entweihten, kann ich nicht beurteilen. Die größere Glocke weist eine Inschrift auf, die ich nicht entziffern konnte“, so Gottfried Busch.
Und nochmals kreuzen sich die Wege. Busch: „Mit St. Johannes verbinden mich Erinnerungen, weil ich als Pennäler Ende der 60er Jahre an der Seite meines Geigenlehrers einige Messen in der Kirche unter Leitung des damaligen Kantors Gottfried Haunhorst begleiten durfte. Ich glaube, dass die Schubert- und Mozart-Messen von den Laien ordentlich dargeboten wurden.“
Januar 2020
Kreative Mahnung
Denkmal, Mahnmal oder Kunstwerk? Auf kreative Weise und mit sehr viel Fleiß hat ein unbekannter Zeitgenosse in Borgentreich einen anderen (bekannten) Mitmenschen als Umweltfrevler bloß gestellt. Neben der Ruhebank mit Blick auf das Maschbach-Biotop steht seit einigen Tagen eine aufwändig gestaltete Skulptur mit den Hinterlassenschaften eines offensichtlichen Freilufttrinkers. Inmitten idyllischer Natur pflegt Jener seinen Promillespiegel und entsorgt die geleerten Flaschen einfach im Gras. Dass sich so etwas nicht gehört, weiß eigentlich schon jedes Kind. Der Angesprochene bekommt es jetzt bildhaft vor Augen geführt. „Gegen Deinen Durst haben wir nichts, aber gegen Dein Verhalten der Umwelt gegenüber schon“, kann er bei seiner nächsten Rast am Biotop jetzt Schwarz auf Weiß lesen. Und wer weiß – vielleicht helfen die mahnenden Worte ja auch noch der Leber des Sünders…
Ein anderes Natur-Promille-Projekt war unlängst erst Am Siekbach zu bewundern. Auch dort hatte jemand Dutzende leerer Schnapsflaschen und -fläschchen aus dem Graben gesammelt und dekorativ auf Ästen im Gebüsch drapiert.
November 2019

Borgentreich. Etwa 6.000 Medien hat die Katholische Öffentliche Bücherei in Borgentreich. Jetzt sind es zwei mehr. Die „übersetzte“ und als Buch gedruckte Borgentreicher Ortschronik ist dazu gekommen. Vorgestellt wurde das Werk beim Büchereisonntag.
Gleichzeitig wurde das „Projekt Ortschronik Borgentreich“ um einen weiteren Baustein ergänzt. Nach erfolgreicher Digitalisierung und Veröffentlichung im Internet liegt die komplette Ortschronik der Orgelstadt auch analog in gedruckter Form vor. Bürgermeister Rainer Rauch, Ortsvorsteher Werner Dürdoth und Herausgeber Hubertus Hartmann haben Bücherei-Leiterin Mechthild Kremper zwei druckfrische Exemplare überreicht.
Viele Jahre schlummerte die im Jahr 1800 begonnen Ortschronik, von der Bevölkerung weitgehend unbeachtet, im Stadtarchiv und wurde vom jeweiligen Ortschronisten Jahr für Jahr mit den wichtigsten Geschehnissen ergänzt. Als Hubertus Hartmann 2017 dieses Ehrenamt übernahm, erweckte er das alte Buch zu neuem Leben. Der ehemalige Redakteur führt seit fast drei Jahren die Chronik live als Blog im Internet und ergänzte die Homepage nach und nach um die Niederschriften vergangener Jahre.
Kein einfaches Unterfangen. Denn zuvor war eine aufwändige „Übersetzungsarbeit“ erforderlich. Doch es gibt immer weniger Menschen, die noch in der Lage sind, die alten Schriften zu lesen. Ehrenamtliche Transkriptoren der Sütterlinstube im Hamburger Hospital zum Heiligen Geist nahmen sich der in Kurrent und Sütterlin verfassten Texte aus Borgentreich an und übertrugen sie in das heutige Schriftbild. Bei der Digitalisierung halfen zudem Anni Ohlrogge und Marlene Conze aus Borgentreich.
Das Land Nordrhein-Westfalen förderte das auch für andere Kommunen als Vorbild geltende Projekt in diesem Jahr mit einem Zuschuss von 2.000 Euro. „Mit Hilfe dieses Heimatschecks konnte neben technischem Equipment auch der Druck des Chronik-Buches finanziert werden“, berichtet Hartmann.
„Ich freue mich, dass die alte Borgentreicher Chronik nun nicht nur im Original und digital, sondern auch als gedrucktes Werk verfügbar ist. Das macht die Borgentreicher Geschichte für viele erfahrbar und erlebbar,“ sagt Bürgermeister Rainer Rauch.
Beim Tag der offenen Tür in der Katholischen Öffentlichen Bücherei im Seniorenzentrum hat Hartmann das Buch vorgestellt. Er berichtete über seine Arbeit, las einige interessante Passagen, mit Bildern illustriert, aus der Borgentreicher Ortschronik vor und unternahm mit seinen Zuhörern einen kleinen Streifzug durch 220 Jahre Borgentreicher Stadtgeschichte.
An Heimatgeschichte Interessierte können das Buch kostenlos ausleihen.
„Wir haben pro Jahr insgesamt etwa 12.000 Ausleihen“, erklärt Mechthild Kremper. Geöffnet ist die Bücherei sonntags von 11 bis 12, montags von 19.30 bis 20.30, mittwochs von 9.30 bis 10.30 und donnerstags von 17 bis 18 Uhr. 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich ehrenamtlich um Ausleihe und Bestandspflege. „Ich freue mich vor allem, dass auch immer wieder Jugendliche dazu kommen“, sagt Mechthild Kremper. Für sie der Beleg, dass sich auch die jüngere Generation allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz für Bücher und anspruchsvolle Medien interessiert.

August 2019

Borgentreich (lwl). Auf der Suche nach der mittelalterlichen Stadtmauer von Borgentreich sind Archäologen fündig geworden: In einem Kooperationsprojekt mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) haben dreizehn Studierende der Universität Kiel mehrere Bereiche des Fundaments der historischen Stadtbefestigung freigelegt. Der Verlauf der Anlage, die im 19. Jahrhundert abgerissen wurde, war teilweise unklar.
Auf den ersten Blick zeugen heute nichts mehr davon, dass die Gärten am Steinweg in Borgentreich direkt an der mittelalterlichen Stadtbefestigung liegen. Wo einst eine vier Meter hohe Mauer stand, haben Wissenschaftler nun die letzten unterirdisch erhaltenen Spuren freigelegt. Etwa einen Meter breit ist der Fundamentgraben, der mit den Bruchsteinen der Mauer verfüllt ist. An zwei Stellen haben die Nachwuchs-Archäologen der Universität Kiel einen Teil der Befestigungsanlage zutage gebracht.
Unmittelbar hinter den Grabungsflächen im Osthagen öffnet sich noch immer ein etwa 45 Meter breiter und vier Meter tiefer Graben, der heute bewaldet ist. „Der Graben sowie die Namen und Verläufe von Straßen geben uns Anhaltspunkte für den Verlauf der Stadtmauer. Speziell hier im nördlichen Bereich fehlte bislang ein eindeutiger archäologischer Nachweis des genauen Standorts – den konnten wir nun liefern“, erläutert der Kieler Archäologe Dr. Fritz Jürgens, der die Grabungen leitet und selbst aus Borgentreich stammt.
Graben und Stadtmauer bildeten im Mittelalter eine mächtige Verteidigungsanlage für die noch junge Stadt. Professor Ulrich Müller von der Universität Kiel betont, dass die Grabungen dazu beitragen, eine Lücke in der Forschung zu schließen: „Die Wissenschaft hat sich in der Vergangenheit vor allem auf größere Städte konzentriert. Die Befestigung kleinerer Orte ist dagegen kaum untersucht worden.“
Auch Borgentreichs Bürgermeister Rainer Rauch freut sich über die Ausgrabungen: „Ein besserer Einblick in die Gründerzeit unserer Stadt ist sowohl für die Bürgerinnen und Bürger als auch für Gäste von Borgentreich sehr zu schätzen.“
Im Umfeld des Fundamentgrabens haben die Archäologen mehrere Scherben von Tongefäßen gefunden. Diese Scherben bestätigen, dass es sich bei den verstürzten Steinen tatsächlich um die Reste der mittelalterlichen Stadtmauer handelt. Darüber hinaus haben die Studierenden Funde quer durch die Neuzeit bis in die Moderne geborgen, etwa Tierknochen, einen Pfeifenkopf, Teile von Glasflaschen und das Porzellanauge einer Puppe. „Wir sind überrascht, dass wir hier den Müll unterschiedlichster Generationen finden“, so Catherine Hartmann. „Für uns als Archäologen ist dieser Abfall aber ebenso ein Teil der bewegten Geschichte dieses Ortes, den Menschen über Jahrhunderte hinweg geprägt haben“, ergänzt LWL-Archäologe Nils Wolpert.
Für die meisten der 13 Studierenden ist dies die erste eigene Ausgrabung. Während der zweiwöchigen Lehrgrabung lernen sie das fachgerechte Freilegen von Funden und Strukturen ebenso wie deren Dokumentation mit Fotos, Zeichnungen und Beschreibungen.
„Wann genau die Stadtmauer angelegt wurde, ist unklar“, erklärt Fritz Jürgens. Borgentreich wird in Urkunden zum ersten Mal 1280 als eine befestigte Stadt erwähnt. Otto von Rietberg, Nachfolger des Stadtgründers Bischof Simon, gelobt dem Erzbischof Siegfried von Köln, Borgentreich niederzureißen, falls der Erzbischof zu der Befestigung der Städte nicht seine Erlaubnis erteile. „Ob zu diesem Zeitpunkt die Stadt nur durch einen Wall oder bereits eine steinerne Mauer geschützt war, ist nicht überliefert“, so Jürgens. Für das Jahr 1288 überliefert eine Urkunde eine Mühle „am Tor“ – der erste Nachweis eines Stadttores. Von ehemals sieben zinnengekrönten Türmen steht heute nur noch der sogenannte Balkenturm, der nach einer Familie "von Balken" benannt ist. Nach dem letzten großen Stadtbrand wurde die Mauer zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgerissen, die Steine wurden als Baumaterial weiterverwendet.
Juni 2019

Borgentreich. Rainer Rauch wird 2020 nicht wieder für das Bürgermeisteramt der Stadt Borgentreich kandidieren. »Auf diesem Wege möchte ich mitteilen, dass ich nach Ablauf meiner Amtszeit, die bis zum 31. Oktober 2020 dauert, nicht erneut als Kandidat für das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters der Orgelstadt Borgentreich zur Verfügung stehen werde«, heißt es in einer persönlichen Erklärung Rauchs.
Der heute 54-Jährige aus Körbecke war bei der Kommunalwahl im Mai 2014 mit 59,2 Prozent der Stimmen als Nachfolger von Bernhard Temme ins Amt gewählt worden. Über seine Entscheidung habe er bereits vor einiger Zeit den Fraktionsvorsitzenden der CDU-Stadtratsfraktion, Alexander Otto, informiert und jetzt den Vorstand sowie die Fraktion der CDU Borgentreich in einer gemeinsamen Sitzung unterrichtet, bestätigt Rauch. Auch die Mitarbeitern der Verwaltung seien informiert.
»Am Ende meiner aktuellen Wahlzeit werde ich insgesamt fast 23 Jahre als Hauptverwaltungsbeamter gearbeitet haben, zunächst von 1998 bis 2001 als Gemeindedirektor der Gemeinde Lindern, dort ab 2001 als erster hauptamtlicher Bürgermeister und seit 2014 als Bürgermeister der Orgelstadt Borgentreich. Die Arbeit hat mir dabei immer sehr viel Spaß und Freude bereitet. Es war mir stets eine Ehre, für diese Ämter gewählt worden zu sein und Verantwortung für die kommunale Entwicklung übernehmen zu dürfen«, schreibt Rauch. Daher sei ihm die Entscheidung auch keinesfalls leicht gefallen und letztendlich hätten private Gründe den Ausschlag hierzu gegeben.
»Nach einer so langen Zeit an der Spitze zweier Kommunen ist für mich der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung deutlich geworden. Ich bin mir sicher, dass es viele spannende berufliche Herausforderungen geben wird, möchte aber zugleich deutlich machen, dass ich für kein anderes politisches Amt zur Verfügung stehe.«
Ihm sei es wichtig, die Entscheidung frühzeitig öffentlich zu machen, um den beteiligten Akteuren ausreichend Zeit zu geben, die Weichen für die Zeit ab November 2020 zu stellen. Bis zum Ende der Amtszeit werde er sich weiter mit voller Kraft für die Stadt einsetzen.
Die CDU, der auch Rainer Rauch angehört, will, wie schon bei der Bürgermeistersuche vor fünf Jahren, eine Findungsgruppe einrichten, um potentielle Kandidaten auszuloten.
Rainer Rauch will nach eigenen Angaben mit seiner Familie in Körbecke wohnen bleiben und künftig als Berater für kommunale Entwicklungsprojekte arbeiten.
Mai 2019

Borgentreich. Klaus-Georg Arendes wurde auf Empfehlung der Stadt Borgentreich durch die Direktorin des Amtsgerichts Warburg zum neuen Schiedsmann des Schiedsamtsbezirks Borgenteich ab Januar 2019 bestellt. Arendes war bereits in der Vergangenheit als stellvertretender Schiedsmann in der Orgelstadt tätig. Gleichzeitig übernimmt der bisherige Schiedsmann Klaus Jürgens die Funktion des stellvertretenden Schiedsmanns. Klaus Jürgens hat aus privaten Gründen auf eine erneute Bestellung zum Schiedsmann verzichtet, erklärte sich aber gerne bereit, das Ehrenamt als stellv. Schiedsmann weiterzuführen. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre. Die Übergabe der Bestellungsurkunde erfolgte erst kürzlich durch die Leiterin des Amtsgerichts Warburg, Insa Menke, im Rathaus der Stadt Borgentreich.
Aufgabe der Schiedsperson ist es, festgefahrene Konfliktsituationen und verhärtete Fronten aufzubrechen und dadurch Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten zivilrechtlicher und strafrechtlicher Art zu schlichten, mit dem Ziel, gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden. Das Tätigkeitsfeld ist vielfältig, so z.B. in Nachbarschaftsstreitigkeiten, bei Schadensersatzansprüchen, in Beleidigungsfällen oder der Sachbeschädigung zu vermitteln und eine Einigung zu erreichen. Die Schiedspersonen werden für dieses Amt in einem Einführungsseminar und regelmäßigen regionalen Fortbildungsveranstaltungen des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen geschult. Bürgermeister Rainer Rauch bedankte sich bei den Schiedsmännern, dass sie als Vermittler bei Streitigkeiten in der Stadt Borgentreich weiterhin zur Verfügung stehen.
Dezember 2018


Borgentreich. Das Borgentreicher Neubaugebiet „Burgfeld“ wächst weiter. Für rund 180.000 Euro will die Stadt im nächsten Jahr die restlichen neun Bauplätze des dritten Bauabschnitts erschließen.
Das Baugebiet südlich der Bühner Straße mit insgesamt etwa 100 Grundstücken ist im Jahr 2002 von der EVG Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft in Eigenregie begonnen und zehn Jahr später von der Stadt übernommen worden. Seitdem sind in der neuen Siedlung etwa 60 Einfamilienhäuser unterschiedlichster Baustile entstanden. „Derzeit haben wir noch 20 freie Grundstücke, von denen ein Drittel bereits reserviert ist“, erläuterte Dieter Stromberg vom zuständigen Fachbereich der Stadtverwaltung in der jüngsten Sitzung des Orgelstädter Ortschaftsbeirats. Damit sei voraussichtlich der Bedarf für die nächsten fünf bis sechs Jahre gedeckt.
20 weitere Bauplätze sollen später im vierten Bauabschnitt erschlossen werden. Nach heutigem Planungsstand ist die Burgfeld-Siedlung mit dem Auto ausschließlich über die Bühner Straße erreichbar und zudem über einen Fußweg mit dem Alten Graben verbunden. Weil das auf Dauer zu Verkehrsproblemen führen könnte, kam aus dem Ortschaftsbeirat der Vorschlag, den vierten Bauabschnitt zusätzlich über eine neue Zuwegung an die Straße Obere Mühle anzubinden. Um die bereits fertig gestellten Straßen im Baugebiet nicht wieder zu zerstören, sollen diese zukünftig für Lkw über 7,5 Tonnen gesperrt werden.
Der Quadratmeterpreis im „Burgfeld“ liegt inklusive Erschließung heute bei 52,50 Euro. Dieser vergleichsweise günstige Preis sowie die gute Infrastruktur machen die Orgelstadt zunehmend auch für auswärtige Bauinteressenten attraktiv.
Mangelware sind in Borgentreich allerdings die Briefkästen. Zurzeit gibt es nur noch zwei. Da jedoch ein Rechtsanspruch auf einen Briefkasten in maximal einem Kilometer Entfernung vom Wohnhaus besteht, will die Deutsche Post AG zwei weitere gelbe Kästen in der Kernstadt aufstellen. Als Standorte hat der Ortschaftsbeirat die Marktstraße im Bereich Volksbank / Sparkasse sowie die Lehmtorstraße nahe der Schützenhalle vorgeschlagen.
Die Straße „Am Siekbach“ soll zwischen dem Gewerbegebiet Keggenriede und der Bühner Straße komplett als Tempo-30-Zone ausgewiesen werden.
Probleme hat der Borgentreicher Musikverein. Der für seine herausragende Jugendarbeit bekannte Verein möchte sein aus allen Nähten platzendes Vereinshaus vergrößern. Das steht zwischen alten Bäumen im Grüngürtel Osthagen, und der wird in Kürze wahrscheinlich zum Bodendenkmal erklärt. Allen Erweiterungsplänen hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe schon mal vorsorglich einen Riegel vorgeschoben. Jetzt suchen die Musiker nach Alternativen.
Aktive der Initiative „Bürger für Borgentreich“ (BfB) haben in stundenlanger Arbeit 44 Weihnachtssterne auf LED-Beleuchtung umgerüstet, damit die Orgelstadt auch in diesem Jahr wieder adventlich illuminiert ist. Geholfen haben u.a. (von links) Dieter Rengel, Dietmar Hüskens, Wolfgang Zintl, Karl Hengel, Martin Schulte, Lothar Hoffmann, Manfred Friebe, Wilfried Riepe und Ortsvorsteher Werner Dürdoth. Foto: Hubertus Hartmann

Borgentreich. Es weihnachtet in der Orgelstadt. Markt-, Mühlen- und Lehmtorstraße funkeln wieder im Lichterglanz – dank des Bündnisses "Bürger für Borgentreich" (BfB). Ohne das Engagement der Helfergruppe hätte es in diesem Jahr keine Weihnachtsbeleuchtung in Borgentreich gegeben.
Weil überall in der Orgelstadt neue LED-Straßenlaternen installiert worden sind, funktionierte die alte Weihnachtsbeleuchtung nicht mehr. Die Anschaffung neuer Sterne und Lichterketten sollte rund 26.000 Euro kosten. Viel Geld für vier Wochen adventlicher Illumination. Um die städtischen Finanzen zu schonen, griffen engagierte Bürger zur Selbsthilfe.
In vielen freiwilligen Arbeitsstunden wurden 44 Sterne, die eigentlich schon auf dem Schrott landen sollten, mit neuen Halterungen versehen, komplett auf LED-Lichter umgerüstet und neu gewickelt. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs haben die Helfer unterstützt und die Weihnachtsbeleuchtung montiert. „Die Materialkosten belaufen sich auf etwa 13.000 Euro“, erläutert Ortsvorsteher Werner Dürdoth. Zudem habe die Arbeitsgemeinschaft der Borgentreicher Vereine noch 4.000 Euro dazugetan. „Dank des Engagements unserer Helfergruppe belastet die neue Weihnachtsbeleuchtung den städtischen Etat mit nur 9.000 statt der ursprünglich kalkulierten 26.000 Euro“, rechnet Dürdoth vor.
Die erst im Frühjahr auf Anregung von Ortsvorsteher Werner Dürdoth und Ortsheimatpfleger Wilfried Riepe gegründete BfB kann nach nur wenigen Monate bereits beachtliche Erfolge vorweisen. Im Sommer wurde in Eigenleistung die Friedhofstwete gepflastert. Eine Tiefbaufirma hatte dafür 17.000 Euro verlangt. Dank der Bürgerinitiative kostete der Ausbau lediglich 12.000 Euro.
Im Herbst ernteten mehr als 20 Freiwillige zentnerweise Äpfel im Liebestal.
Das Obst wurde gepresst und der Apfelsaft vom Elternbeirat im Familienforum verkauft – 580 Liter "Original Orgelstädter Obstsaft". Der Erlös dieser Aktion kam dem Familienforum zugute.
Zudem unterstützte die BfB den Angelverein dabei, den Schützenteich vom ausufernden Schilf zu befreien.
Unterm Strich habe die Stadt Borgentreich dank des bürgerschaftlichen Engagements in diesem Jahr rund 20.000 Euro gespart, bilanziert Werner Dürdoth.
Oktober 2018
Borgentreich. Der ursprünglich für August/September geplante Umbau des Borgentreicher Rewe-Marktes verzögert sich. Nach Angaben vor Marktbetreiber Hartwig Meyer muss die Erweiterung der Verkaufläche auf den Beginn des Jahres 2019 verschoben werden. Von seinen Plänen, während der Umbauphase in den ehemaligen Markt in der Bogenstraße umzuziehen, ist Meyer inzwischen abgerückt. Der Rewe-Markt bleibt während der Bauarbeiten voraussichtlich für einige Wochen geschlossen.
Ortsvorsteher Werner Dürdoth (links) hat eingeladen, und viele Freiwillige sind am Tag der deutschen Einheit zur Apfelernte ins Liebestal gezogen. Die Obstbäume tragen reichlich in diesem Jahr. Nach gut einer Stunde ist der Hänger voll.
Borgentreich. Borgentreicher Bürger bewegen was! Nach der erfolgreichen Pflasterung der Friedhofstwete finden sich in einer zweiten Aktion des Bündnisses "Bürger für Borgentreich" (BfB) mehr als 20 Freiwillige und zahlreiche Kinder zur Apfelernte im Liebestal ein.
Auf Initiative von Ortsvorsteher Werner Dürdoth und Heimatpfleger Wilfried Riepe
pflückt und sammelt die Gruppe am
Haben Spaß: Ella, Julian, Thordes und Ronja Wiesenhang mehrere Zentner Äpfel. Das Obst wird gepresst und der Apfelsaft - ingesamt 580 Liter - vom Elternbeirat im Familienforum verkauft. Der "Original Orgelstädter Obstsaft" wird in wiederverwendbaren Dreiliter-Boxen angeboten. "Der Erlös dieser Aktion kommt dem Familienforum zugute", erläutert Martina Stüve von der Arbeitsgemeinschaft der Borgentreicher Vereine.
Der Südhang des romantischen Borgentreicher Liebestals ist wahrscheinlich eine der größten Streuobstwiesen in der Region. "Vor etwa 15 Jahren haben wir auf Betreiben des verstorbenen Ortsvorstehers Bernhard Kösters noch viele alte Apfelsorten nachgepflanzt", erzählt Wilfried Riepe. "Die Früchte sind in diesem Jahr nicht besonders groß, bestechen aber durch ihre fruchtige Süße."
Im Liebestal stehen gut 140 Apfel- und ein Dutzend Zwetschgenbäume. Für etwa 30 Bäume haben Borgentreicher Bürger Patenschaften übernommen. Sie pflegen die Bäume und dürfen im Herbst natürlich auch ernten.
Mitglieder der Initiative "Bürger für Borgentreich" pflastern ein 300 Meter langes Teilstück der Friedhofstwete. Im Bild von links: Manfred Friebe, Ortsheimatpfleger Wilfried Riepe, der frühere Bauhofleiter Dieter Rengel, Ortsvorsteher Werner Dürdoth und Wolfgang Zintl.
Borgentreich. Bürger engagieren sich für die Orgelstadt. In einer ersten Aktion pflastern Mitglieder der Initiative „Bürger für Borgentreich“ (BfB) die Friedhofstwete.
Der Weg entlang der Friedhofsmauer ist eine wichtige Verbindung vor allem für die Bewohner des weiter stark wachsenden Neubaugebietes „Burgfeld“ und zugleich seit Jahren ein Ärgernis. Gut die Hälfte des Weges ist asphaltiert. Die letzten 300 Meter zur Bühner Straße waren bislang nur provisorisch geschottert, stark ausgefahren und bei feuchter Witterung ein oft kaum passierbares Matschloch. Schon lange setzt sich der Ortschaftsbeirat für eine Beseitigung des Missstands ein, doch stets scheiterte der weitere Ausbau am Geld. In diesem Jahr wurde die Maßnahme endlich im Haushalt verankert, und in tatkräftiger Selbsthilfe sorgt die von Ortsvorsteher Werner Dürdoth ins Leben gerufene Initiative dafür, dass die Kosten im Rahmen bleiben.
Nachdem die heimische Tiefbaufirma Helmut Kröger den Untergrund frostsicher ausgekoffert hat, wird jetzt gepflastert. Unter fachkundiger Leitung des ehemaligen Bauhofchefs Dieter Rengel verlegen engagierte Helfer rund 300 Quadratmeter anthrazitfarbenes Betonpflaster. Sieben Solarleuchten sorgen künftig auch bei Dunkelheit für Licht. An der südlichen Friedhofsecke wird der Weg durch eine Barriere gesperrt. Autos und Trecker können die Twete dann von beiden Seiten nur noch bis zur Sperre befahren, für Fußgänger und Radfahrer bleibt der Weg weiterhin durchgängig.
„Ich freue mich über diese erste größere Aktion die Initiative Bürger für Borgentreich“, sagt Ortsvorsteher Werner Dürdoth. Die Burgfeld-Bewohner und vor allem die Schulkinder bekämen jetzt endlich einen sauberen Fußweg zum Stadtkern und zum Schulzentrum.
Mai 2018
Der Schützenteich macht Probleme: Das Schilf wuchert, und der Zaun ist nicht sicher. Über Lösungsmöglichkeiten beriet der Ortschaftsbeirat bei einem Ortstermin.
Borgentreich. Der Borgentreicher Ortschaftsbeirat traf sich erneut am Schützenteich, um über den Schilfbewuchs und die Zaunanlage zu beraten. Anwesend waren Vertreter des Angelsportvereines, Bauhofleiter Georg Ellermann und Dr. Beinlich von der Landschaftsstation des Kreises Höxter. Dieser gab Tipps zum Umgang mit dem Schilf geben und wann welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Gemeinsam soll ab Herbst mit Rückschnitt dem Auswuchern Einhalt geboten werden.
Zur Parkplatzsituation Bogen- und Marktstraße empfiehlt der Ortschaftsbeirat, die Parkdauer auf eine Stunde festzulegen. Diese Maßnahme soll in den nächsten Wochen umgesetzt und vom Ordnungsamt durch Kontrollen begleitet werden.
Als weiteres Thema stand die Anschaffung einer neuen Weihnachtsbeleuchtung auf der Tagesordnung. Kämmerer Christof Derenthal stellte verschiedene Modelle vor. Die Anwesenden diskutierten über die gezeigten Varianten und wollen sich in der nächsten Sitzung abschließend festlegen, welche Beleuchtung angeschafft werden soll.
Borgentreich. Die Mühlenstraße ist sanierungsbedürftig. Mehr als 30 Jahre und erhebliches Verkehrsaufkommen haben ihre Spuren hinterlassen. Nach den Plänen des Kreises Höxter sollte eigentlich in diesem Sommer die Fahrbahn neu asphaltiert werden. Doch das ist inzwischen Makulatur, denn die Probleme sind wesentlich größer als auf den ersten Blick sichtbar ist.
Untersuchungen der Stadt Borgentreich haben ergeben, dass auch das Kanalnetz sanierungsbedürftig ist. Viele der groß dimensionierten Betonrohre weisen Beschädigungen aus. Deshalb muss nicht nur die Fahrbahn, sondern auch der Abwasserkanal erneuert werden - das wird in diesem Jahr nicht mehr klappen.
Voraussichtlich beginnt die Sanierung im Laufe des kommenden Jahres, und dann wird die Mühlenstraße zur Großbaustelle. Für mehrere Monate dürfte eine der wichtigsten innerörtlichen Straßen Borgentreichs dann unbefahrbar sein.
April 2018
In Sachen "Leerstandsmanagement" ist die Stadt Borgentreich wieder einen Schritt weiter. Sie hat das alte Arzthaus (Dewender/Klocke) an der Emmerkertorstraße gekauft. Nachdem ein erster Zwangsversteigerungstermin beim Amtsgericht Warburg gescheitert war, erhielt die Orgelstadt in einem zweiten Verfahren für 16.100 Euro den Zuschlag. Das Gebäude ist stark baufällig. Um Passanten nicht zu gefährden, ist der Gehweg vor dem Haus seit Monaten gesperrt.
Auf Initiative von Werner Dürdoth hat sich schon im vergangenen Jahr unter dem Namen "Bürger für Borgentreich" (BfB) eine Gruppe von Engagierten gebildet, die ihre Stadt noch liebens- und lebenswerter machen möchte. Erste Aktion der freiwilligen Helfer ist die Pflasterung der Friedhofstwete. Sieben Solarleuchten entlang des Weges sorgen auch in der dunklen Jahreszeit für genügend Licht. An der südlichen Friedhofsecke wird der Weg durch eine Barriere gesperrt. Größere Fahrzeuge können die Twete dann von beiden Seiten nur noch bis zu der Sperre befahren, während der Weg für Fußgänger und Radfahrer weiterhin durchgängig bleibt. In Kürze sollen die Arbeiten beginnen. Die Bewohner der Burgfeld-Siedlung, vor allem die Schulkinder, bekommen dann endlich einen sauberen Fußweg zum Stadtkern und zum Schulzentrum.
April 2018
Borgentreich. Die Borgentreicher Innenstadt bekommt voraussichtlich wieder einen Lebensmittelmarkt. Rewe-Chef Hartwig Meyer plant eine Stadt-Filiale am alten Standort in der Bogenstraße.
In einer öffentlichen Auktion konnte die Stadt unlängst für 77.000 Euro das Haus Kloidt erwerben. Vor zwölf Jahren war Rewe dort aus- und in einen Neubau im Gewerbegebiet Keggenriede umgezogen. Jetzt wird der Markt umgebaut, und für die Zeit des Umbaus – geplant ist Anfang September – kehrt Marktbetreiber Meyer zurück in die Bogenstraße. „Wir rechnen mit maximal vier Wochen, aber das funktioniert nicht im laufenden Betrieb“, sagt Meyer.
Der Verbrauchermarkt an der Emmerkertorstraße soll einen Vorbau für Nebenräume, Bäckerei und Leergutannahme mit zwei Automaten erhalten. Durch deren Auslagerung entsteht zusätzliche Verkaufsfläche. Die Fleischtheke und der Getränkemarkt werden in den Lebensmittelmarkt integriert, die Trennwand verschwindet.
Post und Bäckerei Goeken bleiben auch während der Umbauphase am jetzigen Standort.
„Der Kauf des Gebäudes in der Bogenstraße erweist sich als absolut richtig“, macht Ortsvorsteher Werner Dürdoth deutlich. „Der Stadtkern wird wieder mit Leben erfüllt.“ Denn mit einem abgespeckten Sortiment und eingeschränkten Öffnungszeiten will Hartwig Meyer das Geschäft als Nahversorgungsmarkt für die Bewohner der Innenstadt voraussichtlich auch weiter betreiben. „Eine gute Nachricht vor allem für unsere älteren Mitbürger, für die der Weg ins Gewerbegebiet oft beschwerlich ist“, so Dürdoth.
Auch Bürgermeister Rainer Rauch gibt sich zuversichtlich: "Damit kommt jetzt Bewegung in die Bogenstraße, ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre gemacht." Es sei wichtig, den Einzelhandelsstandort in der Kernstadt zu erhalten und nach Möglichkeit zu stärken. Die Wiederbelebung der Bogenstraße sei dazu ein ganz wesentlicher Beitrag.
Bereits seit 1980 betreibt die Kaufmannsfamilie Meyer aus Daseburg den Rewe-Markt in der Orgelstadt.
Das alte Geschäftshaus in der Bogenstraße hat eine Verkaufsfläche von ca. 800 Quadratmetern. Zu viel für einen kleinen Stadtmarkt, aber groß genug für einen zusätzlichen öffentlichen Veranstaltungsraum. Sollte es irgendwann in Borgentreich vielleicht mal keine Gaststätte mit Saal mehr geben, könnte dieser Raum für private Feiern oder Beerdigungskaffee genutzt werden. Man solle der örtlichen Gastronomie keine Konkurrenz machen, den sich bietenden städtischen Raum allerdings für eine eventuelle spätere Nutzung vorhalten, war der einmütige Tenor in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsbeirats.
Streben die Wiederbelebung der Bogenstraße an (von links): Ortsvorsteher Werner Dürdoth, Rewe-Betreiber Hartwig Meyer und Bürgermeister Rainer Rauch.
März.2018
Borgentreich. Schilf wuchert gewaltig. Das hatten die Planer bei der 150.000 Euro teuren Sanierung und Neugestaltung des Schützenteichs 2010 offenbar nicht auf dem Schirm. Nur acht Jahre später gibt es schon wieder Handlungsbedarf. Das zur Verbesserung der Wasserqualität an den Ufern angepflanzte Schilf breitet sich schier unaufhaltsam aus, die Wasserfläche wird immer kleiner.
Der Schützenteich war Thema in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsbeirates. Zuvor gab es bereits einen Ortstermin mit einem Vertreter der Landschaftsstation. Mitarbeiter des Bauhofs sind dem Schilf bereits zu Leibe gerückt, aber es reicht noch nicht. Im Mai wird sich der Ortschaftsbeirat am Schützenteich treffen, um weitere Maßnahmen zu besprechen. Auch der Zaun um das Gewässer ist marode und muss erneuert werden.
Auf der Tagesordnung standen zudem der Umwelttag, weitere Planungen für die Helfergruppe „Bürger für Borgentreich“, Infrastruktur- und Baumaßnahmen sowie Verschiedenes.
Das nächste Treffen der Helfergruppe ist für einen Samstag Ende April, Anfang Mai in geplant. Die möglichen Arbeitseinsätze werden zurzeit noch vorbereitet. Die Sanierung der Kreisstraße 30 (Mühlenstraße) wird in den Sommerferien beginnen. Die Straße „Am Siekbach“ erhält in den nächsten Wochen eine neue und breitere Asphaltdecke. Die Twete am Friedhof wird als Verbindungsweg zum Wohngebiet Burgfeld mit Straßenlampen und befestigter Decke ausgebaut. Eingegrünt wird der Platz an der Natzunger Straße, wo im Dezember das alte Ellermannsche Haus abgerissen wurde.
Der Platz der alten Molkerei wird zunächst ebenfalls eingesät, da nach Stand der Dinge die Städtebauförderungs-Zuschüsse für die geplante Gestaltung als Mehrgenerationenplatz in diesem Jahr nicht bereitgestellt werden. Das gilt auch für den Platz Marktstraße 10 und ist dem Umstand der späten Regierungsbildung in Berlin geschuldet, da bisher kein Bundeshaushalt verabschiedet wurde.
Ortsvorsteher Werner Dürdoth unterbreitete dem Ortschaftsbeirat den Vorschlag, eine Geschwindigkeitsmesstafel für die Kernstadt anzuschaffen. Dies fand breite Zustimmung - ebenso wie der zweite Vorschlag, die Mauer-, Neutor-, Risch-, Gossenstraße, Lehmberg und Emmerkerbruch als Tempo-30-Zone auszuweisen. Weil sich gerade in diesen Straßenzügen wegen des Familenforums sowie der Schulen und Sportstätten viele Kinder und Jugendliche bewegen, hält der Ortschaftsbeirat die Verkehrsbremse für eine sinnvolle Maßnahme. Beteiligt werden müssen noch die Genehmigungsbehörden, "Aber ich gehe davon aus dass dies lediglich eine Formalie sein wird", so Ortsvorsteher Dürdoth.
Der Borgentreicher Schützenteich: Von den Ufern breitet sich das Schilf immer weiter aus, und die Wasserfläche wird zunehmend kleiner.
9.11.2017
Borgentreich. In Borgentreich gibt es eine Stiftung. Die möchte Gutes tun und hat ein Problem: Sie bringt ihr Geld nicht unters Volk. Es gibt zu wenige Förderanträge.
Man schrieb das Jahr 1395, als betuchte Bürger der Stadt Borgentreich die Stiftung „Armenhospital“ ins Leben riefen. Die ehrbaren Stifter, zumeist adligem Geschlechts, wollten damit einerseits armen, schwachen und bedürftigen Bewohnern helfen und sich mit den guten Taten andererseits ihr eigenes Seelenheil im Jenseits sichern.
Aus jener Zeit stammt das heutige Stiftungsvermögen in Form von knapp zehn Hektar Weide, Wald und Ackerland. Eine recht profitable Photovoltaikanlage auf dem Dach der Sekundarschule ist inzwischen dazu gekommen. War der Geldzufluss Jahrzehnte lang eher bescheiden, fließen durch Pachteinnahmen und Stromeinspeisung mittlerweile Jahr für Jahr rund 4.500 Euro auf das Stiftungskonto. Die Hälfte der Einnahmen, so schreibt die Satzung es vor, muss für gemeinnützige Zwecke wieder ausgeschüttet werden. Darüber wacht die Bezirksregierung in Detmold.
Weil sich um die Armen heute der Staat kümmert, hat sich die Stiftung anderen Zwecken verschrieben und fördert die Senioren- und Jugendarbeit in der Orgelstadt. Mehr als 15.000 Euro hat die Stiftung „Armenhospital“ seit dem Jahr 2002 bereits ausgeschüttet. Bezuschusst wurden zum Beispiel Jugendräume im evangelischen Gemeindehaus, die Skateranlage im Schulzentrum, die Renovierung der Schützenhalle oder neue Instrumente für den Musikverein. Einen Spendenscheck erhielten beispielsweise auch die Bücherei, das Familienforum, Schützenjugend, Jugendfeuerwehr, der VfR, das Seniorenzentrum, die AWO und der Freundschaftsverein Rue.
Auch für dieses Jahr steht wieder ein vierstelliger Förderbetrag zur Verfügung. Was in Borgentreich offenbar aber kaum bekannt ist. „Derzeit liegt erst ein einziger Förderantrag vor“, sagt Stiftungsvorsitzender Andreas Geihsen. Dabei wollte der Vorstand eigentlich bei seiner nächsten Sitzung am 20. November über die Verteilung des Ausschüttungsbetrages entscheiden. Anträge auf Bezuschussung stiftungskonformer Projekte können also noch gestellt werden.
Das Armenhospital
Dass die Stiftung ihr Geld kaum unterzubringen wusste, war längst nicht immer so. Ursprünglich diente der Stiftungserlös dem Betrieb des 1395 am Steinweg, nahe dem heutigen Pfarrheim, errichteten Armenhospitals. Bis zu zwölf in Not geratene Menschen fanden dort Zuflucht. Bis das Gebäude 1806 einem Brand zum Opfer fiel. Der Stiftungszweck war damit entfallen – die Stiftung selbst blieb, führte fortan aber ein Schattendasein. Die Stadt Borgentreich verwaltete das Stiftungsvermögen und kümmerte sich um die Verpachtung der Ländereien. Bis im Jahr 2001 der Rat beschloss, der alten Stiftung frisches Leben einzuhauchen. Mit einer zeitgemäßen Satzung wurde ein Vorstand gebildet, der sich aus je einem Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde, der im Stadtrat vertretenen Parteien sowie dem Ortsvorsteher zusammensetzt. Um die geschäftliche Verwaltung kümmert sich weiterhin die Kommune. Im städtischen Haushalt schlägt die Stiftung „Armenhospital“ mit ca. 6.000 Euro Verwaltungskosten zu Buche.
Doppelbräu und Bocklederstiefel
„Was die Sorge für die Armen betrifft, so kann auch hier Borgentreich auf eine lange Tradition zurückblicken“, heißt es in der 1980 erschienen Festschrift „700 Jahre Stadt Borgentreich“. Schon in einer Urkunde aus dem Jahr 1036 habe Bischof Bruno von Würzburg die Armen in Borgentreich bedacht. „An zwölf Arme und der Barmherzigkeit Bedürftige sollte an allen Tagen der österlichen Fastenzeit jedem ein genügend großes Weizenbrot und drei Maß Doppelbräu gereicht werden, dazu drei Fische. Am Karfreitag sollte man jedem von ihnen fünf Ellen Leinwand, einen Gürtel aus Hirschleder, ein Messer mit Scheide und zwei Stiefel, aus Bockleder gefertigt, geben.“
Als um 1374 die Pest in Deutschland wütete, seien nach mündlicher Überlieferung in Borgentreich die „Brüder des Heiligen Geistes“ zusammengetreten, um für die Beerdigung der Toten und die Verpflegung der Armen zu sorgen. Sie betrieben zudem ein Siechenhaus. Die offiziell 1430 gegründete „Heilig-Geist-Bruderschaft“ existiert in der Orgelstadt noch heute. „Die 24 katholischen, ehrenhaften Bürger der Stadt werden auf Lebenszeit berufen und diese Berufung wird an die Söhne und Schwiegersöhne weitervererbt. Die Bruderschaft trifft sich traditionell am 1. Adventssonntag und spendet heute aus eigenen Mitteln für aktuelle Anlässe“, heißt es auf der Homepage des Pastoralverbunds Borgentreicher Land. Die gespendeten Beträge sind allerdings geringer als die der Stiftung „Armenhospital“.
9.10.2017
Borgentreich. Unzählige Autos, Lkw und Trecker sind in mehr als 30 Jahren über den Asphalt gerollt – das hat in der Mühlenstraße Spuren hinterlassen. Im nächsten Jahr soll die Borgentreicher Ortsdurchfahrt saniert werden.
Von den Straßenschäden machte sich der Ortschaftsbeirat vor seiner jüngsten Sitzung ein Bild. Insbesondere die Anschlussstellen zwischen Pflasterstreifen und Asphaltdecke sind stark ausgefranst. Auch die Pflasterflächen auf den Kreuzungen sind erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Der Kreis Höxter schlägt der Stadt nun eine Sanierung von der Apotheke bis zur Muddenhagener Straße vor. Einziger Wermutstropfen: Die gleichermaßen Ortsbild prägenden wie aufwändigen Pflasterungen sollen verschwinden. Was nicht unumstritten ist. Wirkt das Pflaster doch als optische Auflockerung und zugleich als Verkehrsbremse. Der Kreis favorisiert eine Umgestaltung auf 6,5 Meter Fahrbahnbreite mit 30-Zentimeter-Pflasterrinne auf beiden Fahrbahnseiten. Zudem wird geprüft, ob die Bushaltestelle beim Kino noch erforderlich ist.
Wenn schon saniert wird, dann gleich richtig, so die mehrheitliche Meinung der örtlichen Beiratsmitglieder. Denn die anderen Ortsdurchfahrtsstraßen wie Natzunger Straße, Marktstraße, Emmerkertor Straße und Lehmtorstraße sind keineswegs in besserem Zustand. Für deren Unterhalt und Ausbau ist allerdings das Land zuständig. Die Stadtverwaltung will in Düsseldorf vorfühlen und eine Gesamtsanierung der Borgentreicher Ortsdurchfahrtsstraßen anstoßen.
Sanierungsbedürftig sind ebenfalls die Sporthallen im Borgentreicher Schulzentrum. Wie groß der Renovierungsbedarf und wie hoch die Kosten sind, oder ob eventuell ein Neubau günstiger ist, prüft derzeit ein Ingenieurbüro.
Verzichten müssen die Bürger und Besucher der Orgelstadt in diesem Jahr auf ihre Weihnachtsbeleuchtung. Die alten Sterne seien mit der neuen LED-Technik nicht mehr kompatibel, erklärte Bürgermeister Rainer Rauch. Als Ersatz will die Stadt bis zur Anschaffung neuer Sterne ein paar beleuchtete Weihnachtsbäume zusätzlich aufstellen.
Noch vor Weihnachten soll es in Borgentreich wieder einen dritten Bäckerladen geben. Die Bäckerei Amthor aus Trendelburg, die bereits im Jibi-Markt vertreten, war, eröffnet eine Filiale in der Marktstraße.
31.07.2017
Karin und Andreas Kern aus Bad Karlshafen haben den Hof Löper gekauft und wollen das alte Fachwerkensemble wieder mit Leben füllen.
Borgentreich. „Zu verkaufen“ – viele Jahre hat das Schild im Fenster des ehemaligen Wohnzimmers gehangen. Jetzt ist es verschwunden. Das Haus Löper ist verkauft.
Das wohl markanteste Gebäude auf der Borgentreicher „Leerstands-Liste“ hat endlich neue Besitzer gefunden. Andreas und Karin Kern aus Bad Karlshafen haben den ehemaligen Bauernhof mit Wohngebäude, Stallungen, Scheune und einem in den 1980er Jahre entstandenen Anbau erworben.
„Wir haben schon länger nach etwas in dieser Richtung gesucht, und das Haus hat uns auf Anhieb gefallen, es ist wunderschön“, sagt Karin Kern und lobt zugleich die Borgentreicher Infrastruktur: „Der Ort hat viel zu bieten, sogar ein Kino. Hier gibt es im Grunde alles, was man braucht.“
Die 50-Jährige hat gerade ihre Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie abgeschlossen und will in der Orgelstadt eine eigene Praxis eröffnen. Der Anbau, die frühere Tierarzpraxis Wenniges, sei für ihre Zwecke ideal.
Ihr Ehemann Andreas ist Handwerker. Der 49 Jahre alte Installateur und Heizungsbauer will seinen Betrieb von Bad Karlshafen nach Borgentreich verlegen. Platz genug bietet der alte Bauernhof allemal.
Vorher gilt es allerdings noch eine Menge Arbeit zu erledigen. Ein Zeitlimit haben die Kerns sich nicht gesetzt. „Auch wenn wir eingezogen sind, bleibt die Unterhaltung des Komplexes wohl eine Lebensaufgabe“, gibt sich Karin Kern keinen Illusionen hin. "Mit jungem Elan und Hund gehen wir das Unternehmen an."
Das Haus Löper stammt wahrscheinlich aus der Zeit um 1800 und steht unter Denkmalschutz. Die Behörde glaubt, dass es sogar noch etwas älter sein könnte.
29.07.2017
Borgentreich. Sie sind in der Regel nur wenige Wochen zu Gast – trotzdem tut Borgentreich eine Menge, damit Flüchtlinge sich in der Orgelstadt wohlfühlen. Im Rahmen des IKEK-Projekts – IKEK steht für Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept - soll mitten in Borgentreich ein „Platz der Begegnung“ entstehen.
Eingebettet in ein Ensemble markanter Gebäude, wie dem Orgelmuseum, der katholischen Kirche, Volksbank und Sparkasse oder der Apotheke, bietet sich dieser Platz für eine gestalterische Aufwertung geradezu an. Ausgestattet mit Ruhebänken – eventuell einem Wasserspiel und einem Spielgerät für Kinder – soll Borgentreichs „neue Mitte“ zur Anlaufstelle für Einheimische, Flüchtlinge aus der ehemaligen Kaserne (ZUE), Besucher des Orgelmuseums, Durchreisende und Radtouristen werden. „Hier entsteht hier ein echter Platz der Begegnung“, betonte Ortsvorsteher Werner Dürdoth in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsbeirats. Eine Studentin der Fachhochschule Höxter wolle für ihre Masterarbeit ein Gestaltungskonzept für die Freifläche erarbeiten.
Damit nicht genug. Im Schulzentrum haben bereits die Bauarbeiten für ein Multifunktionsspielfeld begonnen. Das 25 x 15 Meter große Spielfeld mit einem Tartanbelag soll nächstes Jahr fertig werden. Zu den Baukosten von 120.000 Euro erhält die Stadt einen Zuschuss von knapp 100.000 Euro als Integrationsförderung.
Voraussichtlich zum 1. September soll die Flüchtlingsunterkunft nach Dürdoths Informationen wieder zum „Normalstatus“ zurückkehren. Derzeit fungiert die frühere Desenberg-Kaserne auch als Ausreise- und Abschiebezentrum für bis zu 330 Balkan-Flüchtlinge ohne Bleibeperspektive aus dem früheren Jugoslawien und Albanien.
Integration auf der einen – Identifikation auf der anderen Seite: Damit das Bördestädtchen seinen liebens- und lebenswerten Charakter behält, wollen Ortsheimatpfleger Wilfried Riepe und Ortsvorsteher Werner Dürdoth unter dem Arbeitstitel „Bürger für Borgentreich“ (BfB) eine Gruppe von Engagierten gründen, die sich tatkräftig für ihren Heimatort einsetzt. „Eine erste Aktion könnte im Herbst eine Obstsammlung und Saftpressung im Liebestal sein“, stellte Dürdoth im Ortschaftsbeirat das Projekt vor. Zudem wolle man den Steuobstwiesen-Charakter erhalten, neue Obstbäume in Borgentreichs Naherholungsgebiet pflanzen und Baumpatenschaften wiederbeleben, ergänzte Riepe.
Diskutiert wurde auch über eine neue für alle Ortschaften verbindliche Friedhofssatzung, die mehr Gestaltungsspielraum zulässt. So sind beispielsweise anonyme Rasengräber geplant, das Ruherecht soll einheitlich auf 30 Jahre – mit Option auf Verlängerung – und für Urnengräber auf 20 Jahre festgesetzt werden. Die Abräumung alter Grabstätten übernimmt zukünftig der Bauhof.
Zu einem neuen Anlaufpunkt für Borgentreich-Besucher könnte das Freibad werden. Das „Cafe´ Sommerlaune“ bitetet neuerdings auch eine Außenbewirtung an. Hinweisschilder wurden an der Grotte aufgestellt.
Weitere Neuigkeiten aus dem Ortschaftsbeirat: Das alte Haus Ellermann an der Kreuzung Bühner Straße / Natzunger Straße / Emmerkertorstraße wird im Herbst abgerissen.
Die gefährliche Kreuzung an der Apothekenecke erhält ein Stopp-Schild.
Die Post-Agentur in der Marktstraße schließt zum 30. September. Ein Nachfolger wird noch gesucht.
Der Borgentreicher Ortschaftsbeirat vor seiner jüngsten Sitzung im Rathaus (von links): Marcel Kröger, Sebastian Göke, Christian Lanz, Dieter Rengel, Norbert Fricke (Verwaltung), Ortsheimatpfleger Wilfried Riepe, Ortschronist Hubertus Hartmann, Hubertus Herbold, Robert M. Prell, Lorenz Berlage, Rainer Dohmann, Ortsvorsteher Werner Dürdoth und Huberus Geilhorn. Foto: Johannes Brand